Vorrede II – An die Bayreuther

Liebe Bayreuther,

ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Volker Strübing, ich bin Schriftsteller oder Autor oder wie auch immer, ich sage am liebsten: Geschichtenerzähler. Eigentlich bin ich Berliner (obwohl in Thüringen geboren), doch übermorgen wird sich das ändern: Am 4.2. ziehe ich in Ihre oder eure Stadt.

Der Satz kommt mir unvollständig vor, „eure schöne Stadt“ wäre rhythmisch besser und würde viel freundlicher klingen. Aber ich kenne Bayreuth ja noch gar nicht gut genug und will mich in so einem wichtigen Punkt nicht auf Fotos oder das Urteil anderer verlassen, und außerdem: Wenn ich die Schönheit Bayreuths schon vorab rühme, ohne sie überhaupt zu kennen, entwertet das nur das spätere Lob aus vollem Herzen.

Ich war bereits dreimal in Bayreuth, zweimal zu Lesungen, wobei ich nur den Hauptbahnhof, die Veranstaltungsorte und ein nettes Hotel kennenlernte, und einmal im letzten Dezember, als ich einen Aufenthalt in Nürnberg zum Anlass für einen Ausflug nach Bayreuth nahm. Leider reichte die Zeit nur für einen Besuch der Fußgängerzone und einen Abstecher zur Rollwenzelei. Zudem hatte das Bayreuther Tourismus-Ministerium, die Wetterbehörde oder wer auch immer die Zügel ein wenig schleifen lassen (vielleicht, weil ich meinen Besuch nicht angekündigt hatte) – das Wetter jedenfalls war nicht dazu geeignet, sich Hals über Kopf in die Stadt zu verlieben. Es schneite und taute, die Stadt versank in Schneematsch, und zum Kompott war mir tags zuvor die Sohle meines rechten Schuhs eingerissen, weshalb ich eine gute Portion echten Bayreuther Schneematsches als Souvenir mitnehmen konnte. Unter diesen Umständen hätten auch Venedig oder das Auenland keinen besonders idyllischen Eindruck gemacht.

Immerhin fand ich bei diesem Besuch bereits ein sehr nettes Café, und das ist ja schon die halbe Miete. (Ich hoffe, man hat mich dort nicht in allzu schlechter Erinnerung, weil ich mit meinem vor sich hin quietschenden und suppenden rechten Schuh so viel Dreck gemacht habe.)

Ich ziehe also nach Bayreuth. Wenn auch nur fünf Monate. Als 1. Bayreuther Stadtschreiber. Das heißt, ich werde über die Stadt schreiben, es wird Lesungen geben, und ich werde mich anlässlich des Jean-Paul-Jahres mit dem Werk von Jean Paul auseinandersetzen. Dazu demnächst mehr.

Wenn ich Freunden und Kollegen von meiner bevorstehenden Zeit in Bayreuth erzählte, kam stets als erstes eine Nachfrage wegen der Wagner-Festspiele. Vielleicht sind Berliner besonders ignorant, jedenfalls waren Wagner und die Festspiele das einzige, was den meisten zu Bayreuth einfiel. Ich werde mich bemühen, dies ein klitzekleines Bisschen zu ändern.

Manchmal wurde ich auch gefragt, ob Bayreuth eigentlich in Bayern liege, woraufhin ich selbstverständlich entsetzt die Augen aufriss und die Fragenden mit den Worten „Nein, in Franken!“ barsch zurechtwies.

Mein Kollege Andreas Krenzke (Spider) machte einem anderen Kollegen gegenüber den schönen Witz: „Hoffentlich bayreuth er das nicht!“

Ganz sicher kann man das natürlich erst hinterher sagen, aber ich bin sehr guter Dinge, bin gespannt auf die Stadt, freue mich auf Sie bzw. euch, auf die Sachen die ich erleben und die ich schreiben werde. Einen herzlichen Dank daher für die Einladung an die Stadt Bayreuth – ich hoffe, ich werde allen Erwartungen gerecht, damit auch ihr nichts … nein zweimal der selbe Wortwitz ist nicht lustig …

Bis Montag!

(Volker Strübing)

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5 Kommentare zu “Vorrede II – An die Bayreuther

  1. Willkommen in Bayreuth ;-). Du bist definitiv eine Bereicherung für Bayreuth. Ob allerdings fünf Monate ausreichen, die wahre Schönheit der Stadt zu entdecken…? Viel Erfolg hierbei! S.

  2. Lieber Herr Stadtschreiber, für diese schwere Aufgabe in einer fränkischen Stadt, wie Bayreuth, wünsche ich Ihnen viel Glück. Gerne wüßte ich ob bei uns Bayreuthern etwas von Jean Pauls Lebensphilosophie hängen geblieben ist und wo es aktuell zu finden ist. Ich hoffe, damit ich nicht fürchten muß…

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