Tag 26 – Aber ich hab die Sonne gesehen!

Tagebuch, 1.3., Freitag, 15.00 Uhr, ICE Frankfurt – Nürnberg

Ich bin Bayreuth untreu geworden. Gleich doppelt. In echt und im Internet. Gestern habe ich einen Abstecher nach Basel gemacht, weil ich gehört hatte, dass dort die Sonne scheinen sollte. Das tat sie auch, und selbst wenn ich nur noch die letzten Strahlen erwischte, haben sich die sechseinhalb Stündchen Zugfahrt dafür schon gelohnt. Dann stellte sich zufällig auch noch heraus, dass gestern Abend ein Poetry Slam in Basel stattfinden sollte, zu dem ich überraschenderweise schon vor Monaten eingeladen worden war – na, das passte ja!

Außerdem fällt das Tagebuch heute (kurz) aus, da ich blogfremdgegangen bin (ich hatte sozusagen Text mit dem Ex) und habe einen Artikel in mein Berliner Stammmweblog Schnipselfriedhof geschrieben.

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Diese verrückten Schweizer verkaufen doch in ihren Sex-Gags-Automaten tatsächlich nur Kondome!

Strübing liest Paul

22. Summula, Nießiana.

23. Summula, Ein Brief.

Nieß lässt Zettel verteilen, auf denen er die Badegäste zu einem „musikalischen Deklamatorium“ einiger Stücke Theudobachs einlädt, das er am Abend veranstalten möchte, und auf dem er sich, wenn die Stimmung auf dem Höhepunkt ist, als der Dichter selbst zu erkennen geben will.

Theoda und ihrem Vater bringt er die Einladung persönlich. Eigentlich wollte er Theoda auch einen Brief zeigen, den er als Theudobach an sich selbst, also an Nieß geschrieben hat – herrjeh, ich hoffe, die Nieß-Theudobach-Identität wird bald wiedervereinigt und ich kann auf diese Erklärungen verzichten – und in dem er seine, also Theudobachs, Ankunft während des Deklamatoriums ankündigt. Doch im letzten Moment überlegt er es sich anders: diesen Brief während des gemeinsamen Mittagessens der Badegäste hervorzuholen wäre viel effektvoller, und würde sein – also Nießens – Ansehen schon vor dem Beginn des Deklamatoriums seiner – also der theudobachschen – Werke heben, in dem man ihn, also Nieß, als einen engen Freund Theudobachs bewundern würde.

Gesagt, getan, bei Tische zeigt er Theoda den Brief, die überglücklich ist, nun wirklich bald den verehrten und geliebten Dichter kennenzulernen:

Nun standen alle Rosenknospen als glühende Rosen aufgebrochen da. Sie drückte Nießens Hand im Feuer, und er freuete sich, daß er keinen andern Nebenbuhler hatte als sich selber.

Verlorene Praxis:

– das Band der Feundschaft immer enger zusammenziehen bis zum Ersticken

– die wallende Menge mit dem scheuen Auge überfliegen in der weiblichen Hoffnung, dass der Gehoffte doch noch aus ihr auffliege

Lieblingssatz:

Die Neuigkeit lispelte sich bald die Tafel hinab.

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3 Kommentare zu “Tag 26 – Aber ich hab die Sonne gesehen!

  1. Woran liegt das eigentlich, dass Bayreuth neben den Sex-Gags-Automaten auch so viele Casinos hat? Die Frage beschäftigt mich seit ich hier wohne. Sind die Bayreuther so spielsüchtig?

  2. Irgendwo muss das ganze Crystal doch umgeschlagen werden. Mit Spielsucht hat das glaube ich recht wenig zu tun.

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