Auch Engel brauchen Bratwurst

Natürlich war ich beim Tag der offenen Tür im Festspielhaus! Das war schließlich eine Win-win-Situation: Ich kann jetzt behaupten, dass ich schon auf der Bühne des Festspielhauses Bayreuth gestanden habe (wohl als einziger aus der Poetry-Slam- und Lesebühnenszene stammender Autor), und das Festspielhaus kann behaupten, dass sie mich schon auf ihrer Bühne hatte.

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(Verlaufen konnte man sich dank der vorbildlichen Beschilderung eigentlich nicht. Und wenn doch, dann war immmer ein rettender Engel zur Stelle.)

Es wirdZeit, mich nun doch ein bisschen mit Wagner zu beschäftigen. Bisher bin ich ihm ja ganz gut aus dem Weg gegangen. Zum einen, weil ich mich als Stadtschreiber eher mit Jean Paul beschäftigen wollte und sollte, zum anderen weil Wagner in Bayreuth den sprichwörtlichen Eulen in Athen gleicht. Nach Bayreuth ziehen und über Wagner schreiben, dass wäre ja wie nach Berlin zu ziehen und … nein, da gibt es nichts Vergleichbares. Dass man beim Namen eines Ortes immer und sofort und beinahe ausschließlich an einen bestimmten Künstler denkt, dürfte in Deutschland einmalig sein. In England gibt es das Örtchen Stratford-upon-Avon, das in der Außenwahrnehmung wohl ähnlich stark von William Shakespeare dominiert wird, wie Bayreuth von Wagner.

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(Neben den Engeln DAS Fotomotiv am Tag der offenen Tür!)

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Ich schrieb ja anfangs schon einmal davon, dass praktisch jeder, dem ich erzählte, dass ich nach Bayreuth ziehen würde, sofort „Wagner“ sagte, als habe ich ihm nicht von meinen Umzugsplänen erzählt, sondern ihn nach Lieblingskomponisten oder -tiefkühlpizzen gefragt. Nur wenige zeigten sich etwas besser informiert weil sie mal eine Folge „Wild Germany“ gesehen hatten und fügten stolz hinzu: „Crystal“. Weshalb ich es auch für wichtiger und interessanter befand, der Welt oder zumindest dem Internet von einem Bayreuth abseits von Wagner und Breaking Bad & Bratwurst zu künden.

Jetzt, um den 200. Geburtstag herum, wird es hier natürlich auch ein bisschen wagnern, und so heißt es demnächst ausnahmsweise wohl Strübing hört Wagner statt Strübing liest Paul.

Zur Einstimmung besuchte ich, wie geschrieben, am Sonntag der offenen Tür das potemkinsche Festspielhaus. Neben dem Haus Wahnfried und der Oper ist das Gerüst auf dem Hügel ja einer der großen Aufreger, zusammen sind diese drei im Jubiläumsjahr unfertigen Gebäude für Bayreuth das, was der Großflughafen für Berlin ist. Ich muss aber sagen, dass die Notlösung mit den bedruckten Planen ziemlich gut ist, da gibts nüscht zu meckern. Eigentlich ist mir gelungene Improvisation auch sympathischer als perfekte Organisation, wahrscheinlich weil ich selbst nicht gerade ein Organisationstalent bin.

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(Die Energiesparlampen find ich eigentlich viel schlimmer als das versteckte Gerüst)

Das Haus ist ersteinmal relativ unspektakulär, der eigentliche Aufführungsraum allerdings ist schon ne Wucht. Der Tag der offenen Tür hat Spaß gemacht, von Wagnerscher Schwere war nichts zu spüren, Kinder tollten über die Bühne, ein Gummiadler (eigentlich ein Schwan) fuhr im Theaterschneegestöber auf und ab, die Männer sammelten sich um den Pyrotechniker, Engel drehten ihre Runden und man konnte hübsche Gesprächsfetzen belauschen („Frau Wagner, dürfen wir ein Foto mit ihnen machen? Renate, nun komm doch mal her!“, „Wir treffen uns da, wo’s Bier gibt!“, „Also ich würds auf den Sitzen keine 6 Stunden aushalten“).

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Musik gab es nicht – wahrscheinlich war es deshalb so voll. Musik gibt es dafür morgen – das Geburtstagskonzert, und ich kann hingehen! Tolles Ding, herzlichen Dank! Muss mir nur noch einen Anzug besorgen und eine Familienpackung Ibuprofen für mein Knie. Auch wenn das Konzert nur drei Stündchen dauert …

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