Ein Haus für eine Träne

Ja, da schlägt’s 13. Da guck ich heute morgen auf das Tagebuch und stelle fest, dass ein Jean-Paul-Eintrag fehlt. Den habe ich am Freitag geschrieben und dann nur als Entwurf gespeichert, statt ihn zu veröffentlichen, so eine Schlamperei.

Strübing liest Paul

Flegeljahre – Fortsetzung

Um das Haus bekommen, dass der ebenso reiche wie verstorbene Kabel demjeniegen seiner Verwandten per Testament vermacht, der innerhalb einer halben Stunde die ersten Tränen um ihn vergießt, versuchen die sieben in Frage gekommen alles, um ihre Tränendrüsen in Gang zu setzen.

Den einen packt die Rührung bei dem Gedanken an ein ganzes Haus, das ihm auf einer Träne zuschwimmen könne, ein anderer arbeitet fleißig daran, vor Wut über diesen bösen Spaß des Toten in Tränen auszubrechen, der Frühprediger Flachs, eigentlich recht nah am Wasser gebaut, hätte zwar „ leicht wie eine Sonne vor elendem Wetter auf der Stelle das nötigste Wasser aufgezogen, wär‘ ihm nur nicht das herschiffende Flöß-Haus immer dazwischengekommen als ein gar zu erfreulicher Anblick und Damm.“

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(Wo wir gerade von Tränen reden: Zum Heulen schön war ja das Konzert von King Sorella am Dienstag. Dies nur falls sich jemand wundert, was die Fotos mit dem Text zu tun haben.)

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Kirchenrat Glanz beginnt eine sentimentale Lobrede auf Kabel, ist er es doch aus der Kirche gewohnt, mit seinen Predigten sich selbst lange vor den Zuhörern zum Weinen zu bringen, Polizei-Inspektor Harprecht versucht, sich die Tränen durch angestrengtes Starren in die aufgerissenen Augen zu treiben, während Herr Flitten in Lachen ausbricht. Als er daraufhin scharf zurechtgewiesen wird, weil Lachtränen nicht gelten, versichert er, er lache nur zum Spaß, nicht aus ernstern Absichten.“

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„Der listige Buchhändler Paßvogel“ denkt an all die traurigen Bücher, die er selbst verlegt oder verkauft, doch leider ist die Methode nicht besonders schnell: „noch sah er dabei aus wie ein Hund, der das Brechmittel, das ihm der Pariser Hundarzt Hemet auf die Nase gestrichen, langsam ableckt; es war durchaus Zeit erforderlich zum Effekt.“

Und so ist der Frühprediger Flachs schneller, da er an tränentreibendere Dinge als Paßvogels Bücher denkt: „Kabels Wohltaten und die schlechten Röcke und grauen Haare seiner Zuhörerinnen des Frühgottesdienstes, den Lazarus mit seinen Hunden und seinen eigenen langen Sarg in der Eile vor, ferner das Köpfen so mancher Menschen, Werthers Leiden, ein kleines Schlachtfeld und sich selber, wie er sich da so erbärmlich um den Testaments-Artikel in seinen jungen Jahren abquäle und abringe“

Rasch ist das Tränenrennen durch das Flachs’sche Tränenrinnen entschieden.

»Ich glaube, meine verehrtesten Herren,« – sagte Flachs, betrübt aufstehend und überfließend umhersehend – »ich weine« – setzte sich darauf nieder und ließ es vergnügter laufen; er war nun auf dem Trocknen“

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Das Haus ist sein. Und der Rest des Testaments kann verlesen werden. Noch immer weiß niemand, wer der Univeralerbe ist, der, vom Haus abgesehen, das gesamte Vermögen erben soll. Der Testamentar macht es noch ein wenig spannend, in dem er erst einmal die Geschichte seiner Suche nach einem Universalerben erzählt.Von ebenjenem fordere er nämlich „viel leibliche Armut und geistlichen Reichtum.Endlich habe ich in meiner letzten Krankheit in Elterlein ein solches Subjekt aufgetrieben. […] Er hat einmal zu mir ein paar Worte gesagt, und zweimal im Dunkeln eine Tat getan, daß ich nun auf den Jüngling baue, fast auf ewig.“

Was derjenige gesagt bzw. getan hat, bleibt vorerst im Dunkeln. Der Univeralerbe jedenfalls ist „kindlich, ohne Falsch, rein, naiv und zart, ordentlich ein frommer Jüngling aus der alten Väterzeit und hat dreißigmal mehr Kopf, als er denkt.“

Leider hat er auch schlechte Seiten. Erstens nämlich, dass er ein Poet ist und zweitens, dass er „am Stundenzeiger schiebt, um den Minutenzeiger zu drehen. […]

Dieser Universalerbe ist der Schulzen-Sohn in Elterlein, namens Gottwalt Peter Harnisch, „ein recht feines, blondes, liebes Bürschchen“ Diesem Bürschchen, Walt genannt, soll also gänzlich unerwartet großer Reichtum zufallen.

Doch bevor er das Erbe antreten darf, muss er ein paar Aufgaben bewältigen, gegen die das Hervorpressen einer Träne ein Klacks und ein Vergnügen ist …

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