Das große Bindlacher Bergdrama – Teil II

Endlich lag das Gewerbegebiet hinter mir und ich war auf dem Dorf. Eine Metzgerei machte mich mit einer Leberkäs-Semmel glücklich (das letzte Essensangebot, an dem ich vorbeigekommen war, war eine traurige Bude im Gewerbegebiet, die mit dem Schild „3 Döner, 5,50 €!“ für sich warb abschreckte), in einer kleinen Fußgängergasse hinter der Kirche hörte man Hühner gackern, hier und da flitzte ein kläffender Köter hinter einem Zaun ein Stück neben einem her, doch ansonsten war alles war so still und leer, als sei gerade eben das Projekt „Landflucht“ erfolgreich abgeschlossen worden.

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(Autobahnbrücke Bindlach)

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Die Hitze drückte, die Sonne brannte, die Apfelsaftschorle aus der Metzgerei ging so schnell runter wie ein Kurzer und ich verfluchte mich, weil ich im Kaufland das erste beste Cap gekauft hatte und eins für Kinder und kleinköpfige Jugendliche erwischt hatte. Bei der Anprobe hatte ich es nicht gemerkt, doch jetzt begann es langsam unangenehm zu drücken – vielleicht war auch nur mein Kopf in der Wärme aufgequollen. Egal, ich musste weiter.

Abschweifung: Der Himmel über Bayreuth.

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Zur Zeit sind die Kondensstreifen der Flugzeuge sehr kurz. Hat sicher irgendwas mit dem Wetter zu tun (oder – so würden manche sagen – mit der Zusammensetzung der Chemikalien, der Chips oder des Plutoniums, mit dem uns die „die da oben“ uns besprühen). Manchmal, wenn sie so ewig lange stehen bleiben, zerfassern und zu Streifenwolken werden, ist es erstaunlich, welch engmaschige Gitter sie über Bayreuth legen. Gerade zu Beginn meiner Zeit hier fiel mir das auf. Bayreuth schien mir ein Paradies für Chemtrail-Verschwörungsfuzzis zu sein und ein beliebter Ort zum Überfliegen („Bayreuth für Überflieger“). Blöderweise habe ich damals keine Fotos gemacht, weil ich dachte, da hätte ich ja noch ewig Zeit zu. Jetzt habe ich das aber schon lange nicht mehr so extrem gesehen. Wo sind die vielen Flugzeuge hin?

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Außerdem ist mir eine besondere Wolkenform aufgefallen, die ich nur hier aus der Gegend kenne, obwohl ich sie sicherlich anderswo nur nicht bemerkt habe. Diffuse weiße Flecken mit einem zarten dunklen Rand. Manchmal haben sie fast perfekte Untertassenform und sehen sie aus wie Raumschiffe. Sie tummeln sich stets dicht über dem Horizont, und da steht in Berlin immer ein Haus davor. In Bayreuth auch, aber man kann ja zum Beispiel auf die Karstadtterrasse gehen. Dort habe ich sie das erste Mal entdeckt und zwar viel schöner und untertassenförmiger als auf obenstehendem Foto aus Bindlach. Vor allem war es da gleich eine ganze Wolkenraumflotte gewesen, und die habe ich sogar fotografiert, aber ich kann den Film nicht mehr finden. Bestimmt gibt es irgendeine wissenschaftliche Bezeichnung für diese Wolkenart … Cunnilungus oder wie die immer heißen … wenn nicht, schlage ich „Bayreuther Ufo-Wolke“ vor.

Wie auch immer. Bis auf ein kleines Ufo-Wölkchen in der Ferne war der Himmel über Bindlach am Montag strahlend blau, und ich machte mich daran, den Bindlacher Berg zu besteigen. Eine kleine Straße zwischen Feldern und Bäumen führte hinauf, direkt in den Himmel konnte man meinen, verheißungsvoll und leider schattenfrei. Inzwischen war ich ganz matt und schlapp, mein Kopf puckerte, Arme und Nacken brannten (ich Dussel war ohne Sonnencreme losgezogen), meine dicke Jeanshose wog inzwischen dass doppelte wegen all den Elektrolyten, die ich in sie hineingeschwitzt hatte. Doch wir Stadtschreiber sind harte Burschen, ich stiefelte los und pfiff ein wenig Freddy Quinn vor mich hin (Brennend heißer Wüstensand / so schön, schön war die Zeit / fern, so fern dem Heimatland / so schön, schön war die Zeit), erstens weil es mir irgendwie zu passen schien und zweitens weil ich mich vor ein paar Tagen im Kraftraum mit diesem Ohrwurm infiziert hatte.

Doch plötzlich  … (Fortsetzung folgt)

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2 Kommentare zu “Das große Bindlacher Bergdrama – Teil II

  1. Bitte, bitte schreibe, dass du Cumuluswolken gemeint hast. Alles andere ist … *äh* unpassend. Und damit meine ich nicht die Bezeichnung Bayreuther-Ufo-Wolke ;).

  2. Eine Geschichte mit „Ich lebe noch aber das war knapp zu beginnen“ und die Auflösung dann über 3 Episoden zu strecken – oha – das ist gemein. Bei der Affenhitze kann ja schon so keiner schlafen und jetzt noch die Aufregung drüber nachzudenken was dem Strübing beim Spazierengehen passiert ist und uns womöglich damit auch passieren könnte weil morgen soll’s in Bayern ja wieder so heiß werden und es könnte ja ein Preußen/Bayern/Sonne Ufowolken Zusammenhang geben und ich wäre betroffen …. aber vielleicht wird’s ja gar nicht so schlimm. Morgen wissen wir mehr … hoffentlich ;)

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