Ein Bayreuther Mysterium

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Am Montag geht es zurück nach Berlin. Die Vorstellung, abschließende Worte für mein Bayreuther Tagebuch finden zu sollen, ein Fazit zu ziehen, in einem letzten Kapitel eine befriedigende Auflösung liefern und sozusagen den Mörder präsentieren zu müssen, behagt mir gar nicht. Zumal ich eine ganze Reihe ungelöster Rätsel hier zurücklasse. Zum Beispiel, wo all die geheimnisvollen Türen Bayreuths hinführen, von denen einige den heutigen Eintrag illustrieren. Ins Reich der Bayreuther Zwerge und Trolle? Sind es gar die Türen zu den Kellern, in die der Franke nach eigener Auskunft zum Lachen geht? Hat er sie extra so klein gebaut, dass er nicht durchpasst und sich achselzuckend sagen kann: „Dann lach i äbän ned“?

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(Ich habe das Fragezeichen nicht dorthin gemalt. Aber ich kann den Menschen gut verstehen, der es tat.)

Welch ein Glück, dass ich hier auch in Sachen Jean Paul unterwegs war; ich kann mich jederzeit auf den Meister berufen, der ja auch ein Meister des Fragments und der herumtüddelnden losen Fäden war.

Außerdem komme ich Ende Juli schon das erste Mal für ein Tage nach Bayreuth zurück. Ich werde mir eine Generalprobe im Festspielhaus und den beginnenden Festspielrummel anschauen und diesem Weblog den einen oder anderen Artikel hinzufügen. „Ich habe noch ein Weblog in Bayreuth“ statt „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“.

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Ganz ohne ein paar Schlussworte will ich natürlich nicht gehen und Jean Paul hat sich auch eine gehörige Würdigung verdient, aber ein paar Tage sind es ja noch, ich kann hier also noch ein wenig Abschiedsprokrastination betreiben.

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Oh, gerade bricht die Wolkendecke auf! Abendsonne! Ich hoffe, dass klappt morgen auch, damit wir wirklich im Vogelsgarten lesen kö… verdammt, ich hab es nicht mal geschafft, diesen Satz zu Ende zu schreiben, da ist sie auch schon wieder weg. Soviel kann ich als erstes Fazit schon mal verraten: Die fünf Monate in Bayreuth waren die längste Schlechtwetterphase meines Lebens. Mag sein, dass der Frühling überall ein Grauling war, aber ich werde die Assoziation Bayreuth/Schlechtes Wetter nicht so leicht überwinden können. Bayrisch Sibirien, jaja.

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5 Kommentare zu “Ein Bayreuther Mysterium

  1. Ich kann Dich trösten: es ist auch die längste Schlechtwetterperiode meines Lebens (das ich mit Ausnahme weniger Jahre) in Bayreuth verbracht habe – also bitte die Verknüpfung Bayreuth-Frühlingswetter 2013 schnell löschen, bevor sich die Synapsen zu sehr aneinander gewöhnt haben!
    „Bayrisch Sibirien“ bezeichnet übrigens eigentlich die Region „Hochfranken“ – also um Hof herum, wo das Wetter ’ne ganze Ecke kühler und nasser ist als hier.
    Dein Ansinnen, den Blog auch zukünftig zu ergänzen ist sehr löblich!
    Bring aber bitte dann nicht wieder so schlechtes Wetter mit ;-)

  2. Die Türchen führen in die so genannten Engen Reihen. Diese Abstandsfläche zwischen den Häusern diente zur Aufnahme der menschlichen Ausscheidungsprodukte und wurde bis weit ins 18. Jh. meist 1x im Jahr vom Henker gesäubert. Wahrlich eine Drecksarbeit, bestialisch stinkend obendrein.

  3. Diese Abstandsfläche, lieber Volker, diente auch dem Brandschutz. Damit man sie ab und an von Unrat reinigen oder unartige Kinder dort parken kann – die kleine Tür. Den Henker und seine Verwandten gibt es übrigens immer noch, der fährt seine Runden auf dem Kreisel im Gewerbegebiet.

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